Unruhe bei der Heimatzeitung – BGH erlaubt Übernahme

Kurz nach dem Abitur, im September 1984, habe ich den journalistischen Weg als freier Mitarbeiter beim Haller Tagblatt in Schwäbisch Hall begonnen. Neben dem Studium und danach habe ich bis 1991 fürs „HT“ geschrieben. Jetzt ist das Heimatblatt aus dem Nordosten Baden-Württembergs in die bundesweiten Schlagzeilen geraten, jedenfalls in Fachtiteln für Medienleute. #

Der Bundesgerichtshof hat den Verkauf des Haller Tagblatt an die Südwestpresse Ulm erlaubt. Vor ein paar Tagen hat die HT-Chefredakteurin das Handtuch geworfen. Offenbar geht es den kleinen Verlagen an den Kragen. Hohenloher Tagblatt, Gaildorfer Rundschau und HT werden wohl über kurz oder lang zusammengelegt – auch wenn die Namen auf den Titelseiten vielleicht erhalten bleiben.

Das Haller Tagblatt ist die zweitälteste Zeitung Baden-Württembergs. Ich habe den damaligen Eigentümer Emil Schwend noch kennengelernt, ein Verleger mit Leib und Seele, der seine Zeitung liebte. Sein Sohn Michael schien mir eher ein Manager zu sein. Jetzt geht die Zeit der Selbständigkeit wohl zu Ende. Den überregionalen Mantel bezog man schon lange aus Ulm, jetzt hat Ulm eine Filiale mehr.

Schuld an der Entwicklung sind nicht nur die niedrigen Auflagen der drei kleinen Titel. Man hätte viel stärker kooperieren können. Einzeln war jeder Titel zu schwach, um online aufzurüsten. Schade, wahrscheinlich sind über kurz oder lang wieder ein paar Journalistenjobs weg.

Interview mit HT-Verleger Claus Detjen bei Newsroom
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